»Friedel,« sagte Annele. »Wie hast du dir denn nur alles gedacht, was meinst denn? Was für ein Wunder soll eigentlich ein Frauenzimmer sein?«

»Na, wie denn?« fragte er. »Was verlang' ich denn? – – Ein Wunder?«

»Du hast ja gewußt, daß sie Malerin ist und du warst selbst ganz erstaunt darüber, was sie konnte. Du, mit zwanzig Jahren, warst denn du so weit?«

»I wo,« sagte Gastelmeier. »Olly ist fleißig wie eine Verzweifelte. Wahrhaftig, man kommt außer Atem, wenn man ihr nur zuschaut.«

»Wenn du mit zwanzig Jahren so weit wie Olly hättest sein sollen,« unterbrach sie ihn, »und dann noch eine gute Köchin und ein Haus in Ordnung halten – und denk' doch – in allen Stücken fix und fertig – stell' dir's vor. Und jetzt jammerst du noch, daß sie nicht traurig genug ist! Geh mir! Überleg doch. Kinder giebt's genug, aber net viel Eltern. Mein Gott, was wärt denn Ihr für Eltern fürs erste?

Friedel, sei vernünftig!« fuhr Annele fort, »schau, uns oben in Rohrmoos wär's hart, wenn du net glücklich wärst, aber ein bissel Klugheit gehört dazu, ganz aus heiler Haut kann eins net glücklich sein.«

»Jetzt kommt's wieder drauf hinaus, daß du mich für einen Esel hältst,« sagte Gastelmeier.

»Ah geh!« meinte Annele; »aber ich weiß schon, über uns denkt Ihr Mannsleut einfach nicht nach. Ein Frauenzimmer muß immer etwas Fertiges sein, weißt du; daß es halt nach und nach wird, wie Ihr auch, fällt Euch net ein.«

»Was du da sagst, ist so ohne nicht,« war Gastelmeiers Antwort. »Du bist ein gescheites Mädel, Annele, aber ich mein' schon, ernst bist du geworden, du bist der Fratz von ehedem nicht mehr.«