Außerdem waren noch ein paar kleinere Arbeiten von Olly hingeschickt, die sie auf der Reise im Freien gemacht hatte und von denen ihr alter Lehrer gewünscht hatte, daß sie sich ausstellen sollte. Er war sehr zufrieden damit gewesen.

Olly war die ganze Zeit über in innerster Aufregung. Es war das erste Mal – die erste Verbindung zwischen ihr und der Welt. Sie wollte diese Erregung nicht zeigen, aber sie klopfte ihr in den Adern, sie ließ ihr keine Ruhe, sie fand keinen Frieden bei der Arbeit. Sie war ganz ruhelos und machte sich allerlei im Hause zu thun.

Gastelmeier beobachtete sie und sagte sich: ›Jetzt hat sie Angst und quält sich, das arme Ding.‹ Zu ihr sagte er: »Weißt du, stell' dir nur net vor, daß mit dieser Ausstellerei jetzt irgend etwas herauskommt, das ist grenzenlos wurscht, ob da einer davon kräht oder nicht kräht, ob er gut kräht oder schlecht kräht.«

»Gewiß,« sagte Olly, aber sie sagte es nur. Sie haßte sich selbst, daß sie so albern war. Sie fühlte sich unsinnig erregt.

»Erzähl' mir, was deine Freunde von den Sachen meinen,« sagte sie einmal wieder.

»Weißt du, wenn wir zusammenkommen, simpeln wir grundsätzlich nicht Kunst,« antwortete ihr Gastelmeier. »Und ehe sie sich um die Arbeit von einem Frauenzimmer kümmern, ja, das stellst du dir ganz anders vor. Wenn einer überhaupt was sagt, ist's höchstens: ›Gastelmeier, die Dinger von deiner Frau sind net übel‹ – das ist viel, sehr viel sogar! – Ich glaub' nicht, daß das einer sagt, aber möglich ist's.«


Olly ging am Morgen des heiligen Abends mit Emil aus. Sie wollten miteinander einen Weihnachtskarpfen kaufen – und sie ging hauptsächlich, um sich zu zerstreuen. Sie kauften einen wundervollen Goldkarpfen, groß und schwer, und trugen ihn in einem Marktnetz nach Hause, denn sie hatten nicht gewollt, daß der Fischer vor ihren Augen das Tier tötete. Emil trug ihn und der Karpfen schnickte hin und wieder ganz gewaltig, immer unvermutet. Gewöhnlich lag er still und gekrümmt in seinem Netz.

Auf dem Marienplatz standen die Weihnachtsbäume aufgereiht, ein ganzer Wald. Weihnachtsduft, eilende Menschen, Schnee auf den Dächern.

»Olly, jetzt machst du auch Geschichten, zu Weihnachten auszustellen, das hättest du auch nicht gebraucht; aber du bist wenigstens nicht wie Erwin und Mama,« sagte Emil auf seine brummige Weise. »Heut' sind sie daheim wie des Kuckucks, seit sie am Morgen in den ›Neuesten‹ über dich das gelesen haben. Gottlob, daß du nicht wie die andern bist. Dir scheint's wenigstens wurscht zu sein.«