»›Affektiert‹, ›gemacht‹ sagen sie,« brummte Emil.

Da fuhr Olly auf, und dicke Thränen standen ihr in den Augen. »Das ist's nicht!« rief sie. »Sie werden es schon sehen! das, das ist's nicht! Aber die Gänse im Atelier haben es auch gelesen. Die werden eine Freude haben – die …! Die gönnen's mir.«

»Verflucht! Verflucht! Verflucht! Verflucht!« platzte jetzt Emil heraus und er schlug sich mit der einen Hand aufs Schenkelchen, mit der andern hielt er den Fisch im Netze fest. Er dachte, daß Gastelmeier nicht sehr erbaut sein würde, daß er Olly die Geschichte verraten hatte – und die Gänse im Atelier ärgerten auch ihn.

»Weißt du, ein andermal gelingt's besser. Na – na – ich meine, gelingt's besser, du weißt schon, dem Esel, der kritisiert hat! Es kommt vielleicht ein andrer dran. Erwin hat heute Morgen in der ersten Wut hinstürzen wollen, ich weiß nicht, er wollte Skandal machen. Mama wollte auch hin, sie wollte auch Skandal machen. Sie waren ganz desperat – verrückt. Ich habe immer dazwischen schreien müssen. Sie sind übrigens nicht dort gewesen. Sie wußten nicht wohin – und so aufs Geratewohl auf die Straße laufen. Na – und Tante Zänglein kam auch dazu und hat sich über die ganze Wirtschaft wieder einmal amüsiert und sagte immer: ›Das kommt davon, weshalb hat sie mein Gesicht nicht mit gemacht! Das ist freilich gesucht, einen Menschen zu malen und mein Gesicht ins Dunkel zu stecken, gerade als wenn ich mich schämte, mein Gesicht sehen zu lassen. Ein nettes Porträt ohne Gesicht. Meine Bekannten, denen ich gesagt hatte, ich wäre auf der Kunstausstellung zu sehen, haben sich auch gar nicht genug verwundern können!‹ – Tante Zänglein war ganz aufgebracht.«

Emil erzählte die komische Seite von der Geschichte. Er wußte, wie sehr Olly das Komische liebte. Aber ist einmal die Wunde geschlagen, so ist sie geschlagen, da ist nichts zu machen; auch wenn man den Schmerz verbeißt und lächelt – er ist einmal da und die Bewegungen sind schmerzbeladen und es ist nicht wie sonst.

Es war nicht gut zu machen, das fühlte auch Emil, als er seine Schwester ansah. »Verflucht! Verflucht! Verflucht! Verflucht!« Sie sah so elend aus, so zart, so arm. Erwin und Mama hatten ihm eigentlich noch nie recht leid gethan, wenn sie bei einem Mißerfolg Geschrei machten, aber hier, das stumme Weh, ging ihm zu Herzen.

»Na da halt Ruh',« sagte er zu seinem Fisch, weil er sonst nichts zu sagen wußte.

Daheim erzählte er Gastelmeier, was er angerichtet, und er zeigte ihm auch den Fisch.

»Da weiß sie's also, und grad zu Weihnachten! Verflucht! Verflucht!«

Er hatte diesen schönen Gefühlsausdruck Emil unwillkürlich abgelernt und gebrauchte ihn im selben Augenblick, als auch Emil sich wieder seiner bedienen wollte. Beide sahen sich verständnisvoll an. Diese Schwäger kamen überhaupt gut miteinander aus.