Als endlich das Essen aufgetragen wurde und die Köchin die Liebenswürdigkeit hatte, dieses Geschäft in der schmutzigen Küchenschürze zu besorgen, hob Gastelmeier den Deckel von einer Schüssel: »Wissen möcht' i, was 's heut für ein Schlangenfraß ist!« sagte er gereizt. Olly achtete nicht darauf. »Na, was für ein Schlangenfraß ist's denn?« fragte er noch einmal.
»Weiß net, Mimm.« Sie war immer noch in einer wunderlichen Erregung und rührte vom Essen kaum etwas an. »Mimm, wann kommt er denn?«
»Herrgott noch einmal! – Da ist ja eine nette Bombe ins Haus gefallen! Olly, nimm dich zusammen. Diese ewigen Aufregereien, wohin sollen die führen? Du ißt nix. Und mit so einem Husten. Heiser bist du! Ins Bett gehörst du! Weißt du, ich bestell' ihn ab – der kann auch ein andermal kommen.«
»Nein – nein,« sagte sie erregt. »Wenn nun einmal ein Glück kommt! Mimm, wie kannst du? Das thust du nicht!« Sie stand auf und sah ihn angstvoll an.
»Das ist ja zum Teufel holen, Kleine, so ein Lärm um nix. Mag er kommen. – Aber sag einmal, ist denn der Karpf noch immer draußen im Wasserschaff? Wie lang soll er denn eigentlich dableiben? Ich dächte, der thäte besser daran, statt dieses scheußlichen Hammelfleisches zu uns hübsch blau gesotten hereinzukommen.« Gastelmeier lief das Wasser im Munde zusammen, während er sich seinen Karpfen, wie er ihn liebte, vorstellte. »Zum Beispiel: von mir gar net zu reden, dir thäte so ein Stück Karpfen jetzt wirklich gut.«
»Nein, nein, Mimm,« protestierte sie, »damit wird's nichts; ich weiß schon, du willst ihm ans Leben – das leid' ich aber nicht. Er ist schon ganz zahm.«
»So. – Meinst du, daß er dann weniger gut schmeckt?«
»Ja, – ich könnte keinen Bissen von ihm essen.«
»Mir aber macht seine Zahmheit nichts aus – liebe Olly, ich dächte, unser Menu wär' nicht so reichhaltig, daß wir es mit anzusehen brauchten, wie das beste Stück vom ganzen Jahr sinn- und zwecklos sich in der Küche amüsiert.«
»Du Raubtier,« sagte Olly.