Da tat ich einen lauten Schrei, aber wahrhaftig, zuerst nur vor Schreck und nicht vor Freude.

Dicht neben mir lag noch ein zweiter langer Haffkahn, ebenso eingefroren – und weiterhin ein anderer Küstenfahrer – und da eine holländische Kuff – und da ein abgetakelter Schoner – alle dicht nebeneinander, als ob das so sein müßte mitten auf dem Haff.

Und wieder besserhin – allmächtiger Vater – da lag ein großer Schiffsrumpf, aber nicht im Eis, sondern auf dem Stapel, halbfertig – und fünfzig Schritt von mir ist Land – Häuser – ein Kirchturm – ein altes Schloß – ganz offenkundig und reinlich unser altes pommersches Herzogsschloß – –

Und nun faßte ich noch einmal an meinen Kopf und dacht', ich wäre wahnsinnig geworden vor Angst und Verzweiflung.

Aber ganz und gar nicht. Ich war klar und vernünftig wie nie.

Na nu kam's alles 'raus. Da hatte ich Unglückswurm also die ganze Nacht in meinem Elend gesessen, fünfzig Schritt weit von meinem Ziel. Und wäre gestern ganz bequem noch zur rechten Zeit gekommen, wenn ich's nur gewußt hätte. Aber welcher Mensch sollte auch auf den Gedanken kommen, daß er vom Haff, ohne es zu merken, auf die überschwemmten Wiesen geraten kann!

Na, Gott sei gelobt und gepriesen, daß ich's nicht gewußt habe! Das bißchen Angst habe ich redlich verdient, und alles Übrige war in schönster Ordnung.

Aber eine tolle Sache war's doch. Solchen Augenblick wie den erlebt man nicht zweimal im Leben.

Ich hätte jetzt aber wer weiß was drum gegeben, wenn die Glocken noch einmal geläutet hätten. Aber das taten sie nicht, sondern blieben in ihrem Schweigen.

Da packte mich die Sehnsucht nach einem Menschengesicht, und am meisten nach meinem alten Heinz. – Und eine Viertelstunde später hatte ich meinen Heinz und konnte ihm nach Herzenslust um den Hals fallen und ihm eine Kleinigkeit abbitten. Und ich habe ihm, weiß Gott, nichts vorgelogen. Von der Stunde an sind wir die alten Freunde geblieben wie in unserer Kindheit, soweit seine jetzige Gelehrsamkeit das zuläßt.