Die Komtesse kam abends hin und wieder allein, ohne ihre Begleiterin, dann löste ein Zufall ihr das mächtige Haar, sie hörte knieend zu, was ihr philosophischer Freund sprach, grub seinen Namen mit einem feinen Messerchen in die Tische ein, that unbeschreiblich hilfreich, war hingebend, fast demütig.
Sie hatte etwas so vestalisch, keusch Kokettes. Eine ganz eigentümliche Mischung.
Jetzt, als sie alle um den großen Theetisch unter der Buche saßen, hörte sie überhaupt schmelzend, schmachtend auf alles, was gesprochen wurde.
Der Professor mit Frau und Kindern waren auch insgesamt komische Käuze. Sie sprachen mit Vorliebe über das, was man essen sollte, um seine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln. Sie waren beide Theosophen und machten sich mit tausend Dingen das Leben sauer.
Frau Professor hatte heute zum Beispiel ganz auffallend zerstochene und geschwollene Hände, weil sie die Mücken nicht hatte verscheuchen wollen, in dem Gedanken, keinem lebenden Wesen zu schaden.
Sie war eine liebliche, bleiche, dunkelhaarige Frau. In ihren Augen lag viel Ernst und Aufrichtigkeit.
Sie hatten jetzt gerade eine Zeit, in der sie nur Früchte aßen und lobten diese Art sich zu ernähren ganz außerordentlich. Der Frau jedoch schien sie miserabel zu bekommen. Die größte Marter aber, die sie sich auferlegt hatten, das waren ihre beiden Buben, in denen sie mit klarer, sicherer Voraussicht schon jetzt künftige Adepten ahnten.
Aus welchem Grund das Ehepaar annahm, daß diese zwei allerliebsten, dicken Bürschchen, die augenblicklich in einem abgelegenen Teil des Gartens, unter Aufsicht des netten Dienstmädchens dem „Brüderchen“ Gesellschaft leisteten, so außerordentliche Fähigkeiten in sich verschlossen hielten, ist nie bekannt geworden.
Sie hatten eben einfach innerlich geschaut, daß diese beiden Knaben wiedergeboren waren als Adepten, daß sie schon keimende Adepten seien.
Auch in „Brüderchen“ ahnten sie so etwas und redeten jetzt wieder Frau Lu zu: das wunderbar schauende Kind, „weihevoller“ zu erziehen. Das heißt, es schon jetzt als vollgiltigen Menschen zu behandeln.