„Du, das ist für dich gekommen,“ sagte Marie. „Von wem wohl?“

Isolde saß auf ihrem Bettrand, bleich, mit selig gespannten Zügen. Und ihr war, als flöge ein mächtiger, grauer, weicher Vogel, der sich mit ausgebreiteten Flügeln an sie angedrängt hatte, von ihr ab. Sie konnte nicht sprechen. Sie blickte nur mit großen, weitgeöffneten Augen.

„Ein Briefel ist nicht dabei, garnichts; — ich hab schon geschaut. Der Dienstmann hat’s für Fräulein ‚Isolde Frey‘ gebracht. ‚Isolde‘ hat er gesagt. — Für dich. — Von wem nur?“

Jetzt hatte Isolde den Korb auf dem Schoß, ihre beiden Hände lagen wie zitternd liebkosend über den Rosen. Sie saß regungslos.

„Rosen,“ sagte sie langsam. „Rosen!“

„Das sind mindestens für fünfzig Mark welche,“ meinte Marie, „so ein Haufen! Herr Gott, Isolde, von wem nur? Du weißt’s!“

Isolde schüttelte wie geistesabwesend den Kopf.

Wie ein weicher, warmer Wind zog Frieden über sie hin.

„Nun ist alles gut.“

Aus den taufrischen Rosen stieg Seligkeit auf und Hoffnung und ihr eigenes Selbst ganz reingebadet, schön, und ohne jede Schmach — — und gut.