Zum Begräbnis seines Schwagers war der Dichter nicht nach Berlin gereist. Darin hatte er etwas Goethisches. Durch und durch Optimist, ließ er, wenn es irgend anging, nichts, was diesen Optimismus unangenehm berühren oder in Frage stellen konnte, an ihn heran, denn nichts auf der Welt muß so vorsichtig behandelt werden wie ein guter Optimismus. Mama sprach im wehleidigen Ton vom Hinscheiden ihres Bruders.

„Die Sterbesakramente hat er empfangen, Gott sei gelobt, mehrmals sogar.“

Sie sprach in dem leierigen Ton, den manche Weiber annehmen, sobald von einem Sterbefall die Rede ist.

„Sonst ist er recht ergeben hingegangen. Ganz dem seligen Vater glich er im Tod — du mein Gott, wie die Zeit vergeht! Und ausgestanden hat er ganz erschrecklich.“

„Verschon’ uns, Alte,“ sagte Doktor Frey und klopfte sie auf die Schulter. Er war sehr gnädiger Stimmung und schenkte seiner Frau eigenhändig, zum größten Erstaunen der Kinder, die zweite Tasse Kaffee ein, stellte sich aber so ungeschickt an, daß er den meisten Kaffee auf das Tischtuch brachte.

Marie wollte etwas des großen Fleckes halber thun.

Die Mutter wehrte ihr aber.

Es war, als ob ihr dieser Fleck wohlthäte, als ob sie ihn gern sähe, als sollte alles so bleiben, wie es war, wie er es zu thun für gut befunden hatte.

In Mamas Benehmen lag etwas verschämt Verlegnes. Tausendmal getreten und einmal dann in die Wangen gekniffen — ihr war das Weinen nah.

„Ja, — so viel Geld!“ sagte sie gedankenlos „— so viel Geld! — Und was in den Häusern steckt!“ da kam sie wieder zu sich.