Später, als sie mit ihrem Mann allein im Zimmer war, nahm sie ihn beiseite und faßte ihn zaghaft am Ärmel seines Flausrocks, um ihm etwas zu sagen.
Es wurde ihr, so schien es, nicht leicht sich zusammenzufassen.
„Ein komischer Mensch,“ sagte sie.
„Wer denn?“
„Der selige Bruder. — Weißt du, was er sagte, daß er Marie und Isolde extra bedacht hat? ‚Deine Mädel sollen gute Partien werden, die sind viel zu schön, um arm zu sein.‘ Na ja, das ist ja zu verstehen. Dann aber sagte er, was ich sehr sonderbar fand bei einem so ordentlichen Menschen, wie mein seliger Bruder war.
Ich hab das Weib so oft in seiner Erniedrigung gesehn, daß mir’s wohl thut, wenn ich zwei schöne Mädel sicher auf die Füße stellen kann.“
„Na, da wird er wohl so arg ordentlich net gewesen sein,“ sagte Doktor Frey ungeduldig.
„So ein Ausdruck von einem ordentlichen Menschen!“ meinte Mama. „Wieso denn erniedrigt? Was wird er denn gethan haben, anderes als andre Männer? — Da müßten ja alle ……“ Mama hatte sich unbedingt in ihrem Gedankengang verwirrt. „Ich meine,“ sagte sie, „es ist doch alles ganz gesetzlich und in Ordnung, wie es ist. Gott verzeih mir, — ein Verbrecher wird er doch nicht gewesen sein?“
„I bewahre, mach dir deshalb keine Sorge.“
„Ich hab’s eben nicht verstanden. Ich weiß schon, es giebt etwas wie liederliche Mädchen,“ sie errötete; „aber das ist gesetzlich, nicht wahr, das muß doch so sein?