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Am Abend kamen sie wirklich beide. Er hatte seine Braut nach München begleitet. Isolde trat ihm ruhig entgegen; es gelang ihr ohne Mühe, weil doch alles eins war. Das eine that so weh, wie das andere.

Marie war hingebend weich und selig.

Henry Mengersen schien der Situation völlig gewachsen zu sein. Er hatte allerdings erwartet, daß Isolde sich mit „Kopfschmerzen“ entschuldigt haben würde.

Nun war sie doch da, eine freche, kleine Bestie — und hatte einen ruhigen, undurchdringlichen Gesichtsausdruck.

Er aber war gerüstet auf alle Fälle; umsonst hatte er sich nicht einen Giftzahn wachsen lassen. Von einem Mädchen, das sich erniedrigt hatte wie Isolde — und vergeblich erniedrigt, stand alles zu erwarten. Er hatte sie in der Hand, da war ihm andres schon geglückt. Die Ruhe war nur Maske. O, er ließ sich nicht täuschen; er kannte diese Sorte.

Ein unpassendes Wort seiner Braut gegenüber, und Isolde würde ihn kennen lernen.

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Durch einen Zufall standen sie beide in des Vaters Arbeitszimmer allein am Fenster.

Die Hängelampe warf ihren Schein grell in die Mitte des Zimmers und um diesen Lichtkern war eine weiche Dämmerung.