Auf alles, was sie sah und was sie fühlte, starrte sie mit einem grenzenlosen Ekel. Gab es denn gar keine Möglichkeit zu zeigen, daß man rein ist!
Konnte sie denn nicht einfach sagen: „Da bin ich — da!“ —
Ihr junges Menschentum war noch so ganz in sich zusammengefaßt, so einfach, so rein aus Gottes Hand hervorgegangen.
Das dumme, dumpfe, ins Ekelhafte gesteigerte Weibgefühl haftete an ihr noch nicht, das Gefühl, ein Wesen zweiter Ordnung zu sein — ein Wesen, das nicht Mensch, sondern Weib ist, ein Wesen, das nicht wie ein Mensch fühlen und handeln kann, das nur geschlechtlich ist.
Welcher Ekel faßte sie, welche Scham!
Welchen Blick that sie da!
Ja, sie hatte ihn geliebt! ja! ja! ja! Sie hatte ihm das Schönste gegeben, das Einzige, ihre Schönheit, die sie selbst liebte, die sie kannte und die sie selig und froh gemacht hatte. Seiner heiligen, großen Kunst hatte sie sich geben wollen, als Mensch — und als Weib.
Wahrhaftig nicht nur als Weib — und auch als Weib; — ja, sie hatte sich gesehnt, daß er sie küssen sollte, — heiß, hinsterbend gesehnt.
Er hatte ihr ja gesagt, daß er sie liebte, — oder hatte er nicht?
Gleichgültig, jetzt ganz gleichgültig!