Wie sie ihre eigne Schönheit verstand und liebte!

Und sie wurde reiner und reiner. Ihre Seele wußte nichts mehr von Schmach — von eigner Schmach.

Ein solches Gefühl von Starksein, von Schönsein, von Können, von Macht erfüllte sie jetzt oft.

‚Ja, das glaub ich,‘ dachte sie hin und wieder. ‚Ihr möchtet mich einfangen, einkasteln. Einer möchte mich selbst besitzen, meine Schönheit, mein Vermögen und damit schalten und walten nach Gutdünken.

Daß i net lach!‘

Das alles ging ihr jetzt durch den Sinn, als sie in ihrem hohen, weiten Atelier auf- und niederwandelte.

Was war aus ihr geworden in diesen Jahren — etwas so Freies.

So, wie in eine andre Luft, war sie gekommen.

Zum ersticken, wenn sie an ihre Schwester dachte, an ihre Mutter.

Die Nacht, in der sie still wie eine Tote in ihrem Bett gelegen hatte, war unvergessen, war eingebrannt in ihr Bewußtsein.