Auf Isoldens Läuten öffnete sich die Hausthür und eine starke Person in einem verschabten Prinzeßmorgenkleid, das sie mit einer ordinären Petroleumlampe beleuchtete, trat halbwegs auf die Straße hinaus.
Isolde fragte nach dem Mädchen.
Die Augen der Frau bohrten sich in Isoldens Erscheinung ein, als wollten sie mit einem Blick durchschauen, wie das vornehme, junge Mädchen mit der armen Ladnerin zusammenhing. Was wollte die denn jetzt?
„Wohnt nicht mehr hier?“ fragte Isolde enttäuscht.
„Ich habe sie heut in die Sonnenstraße gebracht, gnädiges Fräulein. Da ist sie wohl aufgehoben, besser dran als bei mir. Sehn Sie, unsereins muß oft mehr herhalten als recht ist. Die jungen Mädchen, — wie das so ist, — sparen thuns net, mit ei’mal stehns vor der Bescherung. Da soll die Hebamme herhalten. Wenns irgend angeht, hat er sich bei Zeiten gedrückt. Wissens Fräulein — verzeihens; wir sind doch auch net da, um alles auszubaden. Für solche ist eben die Anstalt in der Sonnenstraße. Möcht wissen für wen sonsten, wenn net für die!“
Die Frau war noch in dem Eifer, den sie angewandt haben mochte, um das unglückliche Mädchen loszuwerden und anzubringen.
„Ich zahl für sie,“ sagte Isolde. „Holen Sie sie wieder zu sich. Benutzen Sie gleich meine Droschke. Fahren Sie sofort.“
Isolde war es, als wenn wieder zwei arme, arme Hände sich an sie legten und sie rührend drängten.
„Ein paar Stunden, wanns früher gekommen wären. Jetzt glaub i net. — I mein mal net.“
„Ich zahl für sie,“ wiederholte Isolde noch einmal. „Mein Name ist Isolde Frey.“