Hier folgte die Adresse der Hebamme und als Nachschrift stand: „Fragen Sie nur nach dem blonden Mädchen aus Aussee.“

Ja, von diesem Brief stieg es bang und schwer auf. Als wenn zwei arme, zitternde Hände sie faßten und zur Thüre drängten, so empfand sie’s:

„Geh — geh — ach geh doch!“

Sie fühlte sich wie nicht allein in ihrem Zimmer. Das, was aus dem Briefe aufgestiegen, erfüllte es ganz und gar, war leibhaftig da, so weh, so hilflos, hilfesuchend.

Und sie ging.

Da stand sie im Vorhaus, warf im gehen ihren leichten Abendmantel um. Ihr Käppchen stülpte sie auf.

Unter den hohen, flüsternden Pappeln der Leopoldstraße schaute sie noch einmal zum Hause zurück und bemerkte in dem Zimmer ihres Bruders Licht. Der war merkwürdiger Weise schon um diese Zeit zurückgekehrt. Die Fensterflügel standen offen.

Er hatte die Hausthür wohl gehen hören, war ans Fenster getreten und mußte sie bemerkt haben, denn er bog sich hinaus und schaute ihr nach, rief ihren Namen mit einer ganz sonderbaren Betonung, die sie lächeln machte. Jetzt beschleunigte sie ihre Schritte, denn sie fürchtete, er könnte auf den Gedanken kommen, ihr zu folgen.

Am Odeonsplatz nahm sie eine Droschke und fuhr durch die stillen, nächtlichen Straßen; im langsamen Trab ging es vorwärts. Ihr Herz klopfte der fremden Not entgegen.

Vor einem Hause in der Buttermelcherstraße ließ sie halten. Die rote Laterne einer Hebamme leuchtete dort.