Isolde zahlte dem Kutscher. Sie wollte nach Hause gehen. Ja, sie mußte gehen, ihre eigenen Füße gebrauchen, um weiter zu kommen.
Das Kind ihres Bruders wurde da drin in dem Haus geboren von einem armen, ganz verlassenen, preisgegebenen Geschöpf. Weil sie arm war, mußte sie alles über sich ergehen lassen, was an Entsetzen auszudenken ist; weil man ihr Barmherzigkeit erwies, mußte sie mit dem Einzigen, was sie hatte, mit der Scham ihrer armen Seele überzahlen.
Ihre Schmerzen, ihre Todesnot wurden kühl beobachtet, notiert, vielleicht belächelt. Welche Einsamkeit!
Das hatte ihr Bruder der angethan, die er geliebt! die ihm jetzt sein Kind gebar.
In Isoldens Seele wurde etwas starr. In ihren Schläfen hämmerte es vor Empörung. Sie ging, als berührte sie den Boden nicht.
Jeder Blick, den sie heute ins Leben that, in das, was die Menschen „Leben“ nennen: Ekel!
Eine Welt für Bestien, für Raubtiere, die einander würgen und die dann fragen: „Wie ist das Böse nur auf unsre gute Welt gekommen!“
Da dachte sie an ihren Freund, der seine Lebenskraft gab, um diesen wunderlichen stumpfen Hirnen die Sinne zu öffnen, dadurch daß er das Wunder und Geheimnis enthüllte, wie das Gute auf diese Welt des Fressens und Gefressenwerdens gekommen ist. Ein Wunder ohne gleichen!
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Am andern Morgen, nach einer schlaflosen Nacht, wurde Isolde zur Mutter gerufen, die sich nicht wohl befand.