Die Versammlung wurde in würdiger Form geleitet.

Ein Präsident konnte den Reichstag nicht vortrefflicher eröffnen.

Aus der Menge erhob sich hin und wieder aufgefordert eine und sprach, mit einem befangenen Stimmchen, von ungeheuren Dingen, unter denen die Menschheit seufzt.

Sie faßte diese Dinge bei einem kleinen Zipfel und zeigte ihn wie ein winziges Pröbchen von einem ganz wunderbaren, riesigen Stoff, in den ungeheure Gestalten, geheimnisvolle, mächtige Muster eingewirkt sind.

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Isolde kannte ein altes Kloster in Südtirol, das hoch auf einem Felsen liegt, ein Kloster zur ewigen Anbetung.

Sie hatte einen Winter mit ihrer Mutter in Südtirol zugebracht und am Allerseelentag war sie zu diesem Kloster in der Dämmerung hinaufgestiegen.

Weißverhangener Himmel, als wollte schon Schnee kommen; Regen rieselte, und Nebel stiegen dicht aus dem Thal auf und schieden das Kloster zur ewigen Anbetung von aller Welt ab, so daß es von keinem Auge mehr gesehen wurde. Geheimnisvoll, wie eine Gralsburg, schimmerte, wenn der Nebel ein wenig riß, ein Turm, eine Fensterreihe, wie mitten aus Wolken.

Eine unsagbare Einsamkeit war da oben — eine herzbeklemmende, bange Einsamkeit.

Und hoch vom Felsen, aus der kleinen, im tiefen Nebel verborgenen uralten Klosterkirche heraus kamen zwei Stimmchen, wie im unendlichen Raume schwebend — so traurig, so weltverlassen. So körperlos mystisch, so übermenschlich weh sangen die Stimmchen am Allerseelentag vom Tod und vom Leiden der Welt.