Draußen leichter, schon hart getretener Schnee und doch ein milder Winterabend, zwischen Gefrieren und Tauen. Die hohen, kahlen Pappeln ragen schattenhaft zart in den blanken Sternenhimmel hinein.
Stadtgeräusche klingen heut anders als sonst, so scheint es jedem. Die Pferdebahn kommt so eilig, weihnachtlich daher. Die Droschken fahren, als führen sie irgend eine Überraschung zu irgend einem Ziel.
Ja, lebendiger ist alles, als sonst und heimlicher.
Einer scheint dem andern noch bekannt. Man freut sich mit denen, die sich freuen können und freuen. Das fremde Leid greift zum Herzen und nicht nur an die Nerven, und auch nicht nur zum Herzen, nein, bis in den Geldbeutel hinein, der tiefer und unzugänglicher beim menschlichen Geschöpf sitzt als Herz und Nieren.
Ja, ein schöner Abend, ein sehr merkwürdiger Abend, der Abend der Weihnachts-Heiligennacht.
Bei Doktor Freys waren sie auch in Feststimmung und Festerwartung.
Die Mutter, Isolde und Bruder Karl sitzen im Salon und warten auf den Vater, um im Speisezimmer den Weihnachtsbaum anzuzünden und dann während des Lichterglanzes ein kleines, festliches Abendessen miteinander zu verzehren — und Frau Doktor Frey ihr Haferschleimsüppchen.
Um den Weihnachtsbaum stehen von Tüchern verdeckte Tische mit Geschenken.
Es ist alles bereit. —
Das Hasten und Eilen des ganzen Tages ist einer leichten Abgespanntheit gewichen. — Der große schöne Baum hell erleuchtet. Tannennadelduft mischt sich mit dem frühlingszarten Atem von Maiglöckchen, Hyazinthen und Tulpen, die in einer schönen Schale, wie ein ganzes Blumenbeet, auf dem großen Tisch im Salon unter der Hängelampe stehen und ihr zu früh erwecktes Leben in die heiße Zimmerluft ausströmen, statt in hellen Maiensonnenschein hinein.