Isolde geht ab und zu in das Weihnachtszimmer, schlingt noch ein paar glänzende Fäden über einen Tannenstrauß mit Rosen, oder ordnet etwas an den Geschenken. Die Ausschmückung des Zimmers zu Weihnachten ist immer ihr Werk gewesen.
Wie fremd sind sich doch die drei wartenden Menschen in dem Salon — komisch fremd.
Mutter, Sohn und Tochter. Fremd wie sich nur Familienglieder sein können. Wie kennen sie jede Äußerlichkeit aneinander, jede Angewohnheit!
Sie kennen sich bis zum Überdruß, das heißt: jedes die Larve des andern.
So sitzen sie und hängen ihren Gedanken nach.
Was weiß Mama von dem inneren Leben ihrer Tochter und Isolde von Mamas innerem Leben?
Sie sieht Mama sitzen in ihrem schwarzseidenen Kleid. So fein ist die Gestalt, das müde Gesicht mit dem leidenden, etwas stumpfen Ausdruck. In Mamas Gesicht ist etwas Ausgelöschtes.
Wer hat das ausgelöscht?
Das Leben?
Jedenfalls. Mama wird doch schon alt; noch nicht gar so alt — — nein. Sie ist aber wie mitten im Leben eingeschlafen. Gerade als es anfing gut zu werden.