In Marie blieb etwas so Wehes, etwas so Sehnsüchtiges. Eine Mutter von fünf Kindern, die Geschichten machte mit Idealen und so etwas!
Nein, Mama hatte auch mit Marie viel Sorge.
Da lobte sie sich Henry Mengersens Schwägerin, Pauline, die in Ludwigshöhe mit Mann und Kindern neben Henry wohnte. Das war eine Frau nach ihrem Sinn. Wenn eine von Mamas Töchtern so geworden wär’. So drall und fidel wie die Frau war! Und so eine bekommt ihre Kinder wie nichts. Frisch vordem, frisch nachdem. Und diese prächtigen Ammen und Wartefrauen und Kinderfrauen, die sie hatte, — ein ganzes Regiment Weiber war da immer im Haus. Und diese Wäsche! Und wie im Hause gegessen wurde! Ja, die verstand was aus sich zu machen. Vor der hatte der Mann auch Respekt.
Ach ja, Mama hatte es nicht leicht mit ihren Töchtern.
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Dies Jahr gab es einen warmen, schönen April.
Es hatte sich oben in Ludwigshöhe in einer Nacht über die Wälder wie zarter, grüner Nebel niedergelassen. Der war wie von den Wäldern eingesogen worden, hatte sich schmeichelnd um die rötlichen, knospenden Buchenkronen gelegt und war daran haften geblieben in Millionen zarter grüner Blättertröpfchen.
Ein Leuchten ging von diesem jungen Grün aus, ein durchsichtiges, unsäglich zartes Schimmern, das die Seelen wie in ein grünes, helles Bad tauchen ließ, die armen, rußigen Winterseelen. Und der blaue Maienhimmel dazu, der endlich als helle Sonnenbahn hervorgebrochen war.
Ja, es wurde da oben jetzt schön. Die prächtigen Waldgärten mit ihrem knospenden Buchenlaube, der feuchtbraunen Blätterdecke unter den Bäumen, aus der das frische Leben in tausendfältiger Gestalt brach. Hier ein Himmelsschlüssel, ein zerschlissenes dürres Eichenblatt um den Stengel, dort hebt eine Familie blauer Leberblumen ein ganzes Stück Laubdecke in die Höhe. Wie ein blauer Blick schaut es aus dem Erdreich.
In Gebers Garten blüht es wie jedes Jahr auch heuer an allen Ecken und Enden.