„Henry rück es doch so — siehst du, hier fällt das Licht nicht gut darauf. — — Und das ist von allem mein Liebling, da liegt etwas darin was einem zu Herzen geht. —

Ich hab dir doch gesagt daß die Leiste zu dem rohen Eichenholz nicht hübsch aussieht — nun findet es Isolde auch — siehst du.“

Sie rückte etwas an einer Staffelei — sie machte ihn aufmerksam, dies oder jenes zu zeigen.

Und jedesmal traf sie derselbe spöttische Blick, sie kühl in ihre Grenzen zurückweisend.

Über Maries Gesicht ging dann der tief wehe Zug, so gekränkt, so überaus demütig.

Isolde wußte sich bei einer solchen Scene kaum zu beherrschen. Ein Gefühl von Haß gegen ihn stieg in ihr auf und zu gleicher Zeit etwas wie Verachtung gegen ihre Schwester, Verachtung und Mitleid.

In den letzten zwei Jahren hatte Isolde bemerkt, daß Marie schwerfälliger in der Art sich auszudrücken geworden war, auch ihr gegenüber.

Bis dahin war in Marie ein leidenschaftlicher Zug gewesen, mit der Schwester weiter leben zu wollen. Jetzt stand sie Isolde eigentümlich fremd gegenüber; oder kam es ihr nur so vor? Marie fragte nicht recht was Isolde getrieben, unterhielt sie von Dienstbotenmisere, von Kinderwäsche, klagte endlos über ihr letztes Wochenbett und lobte ihre Schwägerin Pauline, von der sie das letzte Mal gepflegt worden war.

Henry hatte immer gewünscht, daß Marie sich ihrer Schwägerin anschließen möchte, war aber auf Abneigung von Maries Seite gestoßen.

Jetzt war das anders geworden. Marie hatte von ihrer Schwägerin, wie es schien, mancherlei profitiert. Man aß dies Jahr ganz vortrefflich bei Mengersens. Paulinens Hand war überall zu spüren, ein barscherer Ton schien auch in den Verkehr mit den Kindern gekommen zu sein, die Leibwäsche des Kleinen hingegen war um vieles feiner und luxuriöser geworden.