Die herbe, frische Luft, die die schäumende Isar mit sich bringt, drang zu ihr ein.

Da draußen reckte und streckte sich jedes Blättchen, ungeheure Massen zarter, grüner Lebewesen. Es lag ein Werden, ein mächtiges Gedeihen, ein Sich-ausbreiten-wollen im Dunkel.

Die Luft war wie berauscht von all dem jungen Atem, den sie in sich trug.

Isolde schluchzte wild und bitterlich auf.

Was hatte sie im Leben?

Wen hatte sie im Leben?

War denn das, was sie lebte, das Leben? Das wirkliche, wahrhaftige, lebendige Leben?

„Ah — einsam!“ Sie reckte die Arme, als wäre sie ans Kreuz geschlagen — und blieb so lange, lange Zeit wie im Schmerz erstarrt.

Über ihr Gesicht rannen langsam Thränen.

Die Seele war von der großen Sehnsucht des Lebens, nach Glück, gepackt. Die jungen, starken Sinne wollten in Daseinsjubel ausbrechen — und hatten nichts, um in Jubel ausbrechen zu können — nichts — gar nichts — auch gar nichts!