Sie steht hier als der Begriff des ewig bedrückten Weibes, des geistberaubten, unentwickelten Geschöpfes, dem alles geboten werden darf, das alles hinnimmt, waffenlos und rechtlos jeder Erniedrigung gegenüber. Was sie jetzt gethan, wiegt keinen Hauch gegen das, was sie empfindet und überschaut. Es ist nicht der Rede wert, was sie that.

Ja, so empfindet sie.

Ihre Seele ist ruhig und vornehm und gelassen. Sie überschaut alles, weiß, was sie zu thun hat — ist mit allem einverstanden.

Sie will noch einmal der Sonne entgegen wandern und will die Sonne noch einmal aufgehen sehn.

Das denkt sie.

Den kleinen, zierlichen Revolver steckt sie zu sich und verläßt ihr Zimmer ohne zurückzukommen. Henry Mengersen liegt, wie ein Baum gefällt, der Länge nach im Zimmer. Er liegt auf dem Gesicht, die Arme weit von sich gestreckt.

Er ist sehr schnell gestorben — ein paar heftige Zuckungen, denen Isolde regungslos vor Entsetzen zugesehen hatte.

Ihr Hirn arbeitet jetzt ruhig und sicher. Keine Empörung ist in ihr, kein Sträuben.

Am Garten ihrer Freunde will sie noch einmal vorübergehen. Dahin zieht sie’s jetzt unwiderstehlich.

Ein Wunder auch dies! so kommt es ihr vor — da steht Frau Lu am Gartenzaun, mit dem Rücken gegen die stille Waldstraße.