Da gewahrte sie, daß Isolde heiße Thränen weinte.
„Na, was denn?“
„Sammtaff, lieber,“ bat Isolde, „laß ihn mir! Es geschieht dir ja nichts. Er thut ja nichts — und mich freut’s so.“
„Wie kann denn dich das freuen,“ fragte Marie ganz betreten.
Isolde aber weinte so wild und schluchzend. „Ich möcht nur wissen, was man vom Leben hat — so was Fad’s! Bei uns is man so wie so geschlenkt. Es könnte ganz anders sein. — Weißt du was ich glaub? — Mama is dumm!“
Isolde schluchzte herzzerreißend. „Ide, Mama ist ein Engel! — thu keine Sünd.“
„Ja, eben ein Engel. Wer sagt dir denn, daß ein Engel net dumm ist! Weißt du, es ist komisch, aber manchmal kommt es so: da möcht ich den Leuten ins Gesicht schlagen.
Alle kriechen sie — alle — wenn man’s auch gar nicht merkt. Keins sagt und thut was es will!
Wir bilden uns nur ein, daß die Leut’ auf zwei Beinen gehn. Auf vieren gehen sie, — sie kriechen alle.
Mama liegt glatt auf dem Leib — überhaupt fast alle Frauenzimmer — du auch — du erst recht! Und die Männer erst! O Gott! — und wie!