„Mama, wie kannst du dir das von dem Flegel gefallen lassen?“
Karl stürzt wutbleich auf Isolde, die weiß sich aber zu wehren.
„Laß ihn doch,“ ruft Frau Doktor Frey, „erbittere ihn nicht. Du weißt, er muß heut abend noch arbeiten.“
„Ja wohl, ich soll mich schließlich von dem Bengel wiederhauen lassen! Jetzt müßte noch Emil kommen, der Großhirnmensch, der vor lauter Intelligenz nächstens durch das Examen purzeln wird.“
„Bst — bst!“ machte die Mutter, „Friede — Friede — Bedenke, daß du ein Mädchen bist.“
„Was soll man da bedenken? Daß i net lach!“ sagte sie ganz wie ihr Vater.
*
Am Abend, beim Ausziehen, als sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen hatten und die Mutter noch neben Karl in der Wohnstube saß, um den schläfrigen Burschen beim Arbeiten zu überwachen, gab es eine sonderbare Szene zwischen den Schwestern.
„Ide göh“, sagte Marie, „thu’ mir die große Lieb — schaff’ den da fort. Ich kann net schlafen, glaub mir. Ich mein, er lebt und wenn wir die Augen zumachen fliegt er im Zimmer ’rum und poltert an die Wand.“