Marie hatte, so schwer es ihr geworden, klein beigegeben. Ihre behagliche Stube, ihr schneeweißes Bettchen aber waren ihr durch diesen Gast fremd und untraulich geworden, ihre Nächte wurden von schweren Träumen geplagt.
In Mariens weicher Seele hatten sich das Bild des Schädels und trübe Vorstellungen, die sein Anblick schuf, tief eingegraben.
Nie hatte sie noch an den Tod gedacht und jetzt war sie beim Dunkelwerden von bangen schreckhaften Todesahnungen ganz umgeben.
Es stand ihr zum ersten Mal greifbar vor der Seele, daß alle Menschen sterben müssen — das schauerliche Ende des wunderschönen Lebens — daß auch Mama sterben mußte!
Bei dem Anblick des Schädels konnte sie unmöglich ihre Phantasie auf das ewige Leben richten, trotzdem sie in der Schule gelernt hatte, daß es ein ewiges Leben gab.
Nein, der Schädel predigt ihr nur von dem in die Erde kommen, von dem zu Erde werden lieber Menschen. Arme — arme Mama!
Sie weinte oft nachts.
Hätte sie aber gewußt, weshalb Isolde den Schädel aufgestellt hatte, ihre weiche Seele wäre erschauert und sie hätte das große Opfer nicht gebracht. Wenn der Schädel wirklich in irgend etwas an Henry Mengersen erinnerte, von dem Isolde ihr gesprochen hatte, nein, dann gewiß nicht.
Marie ahnte aber von Isoldens Geheimnis nichts.
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