Es mußte gut zwei Uhr nachts sein. Alle schliefen, die laue Sommerluft drang durch die offenen Fenster. Da klang die Glocke kräftig und anhaltend. Jemand mußte von der Straße aus auf das Läutwerk gedrückt haben.
„Da schellen sie schon wieder, die Studenten unten,“ meinte Marie ganz schlaftrunken.
„Der Vater!“ Isolde saß aufrecht, aus dem Schlaf gescheucht, im Bett.
Auf dem Gang hörten sie schlürfende Schritte und sahen einen Schein durch das Glasfenster ihrer Thür.
„Es ist doch der Vater,“ meinte Marie. „Mama schließt die Thür auf.“
Mama wollte nicht, daß die Mädchen die Hausthür öffneten, wenn der Vater spät heimkehrte. Sie sollten ruhig in den Betten bleiben und schlafen.
So blieben sie ruhig liegen. Ehe die Mutter die zwei Treppen herabgekommen war, klingelte es noch einmal schrill und anhaltend, als stände ein auf Leben und Tod Verfolgter unten, der sich retten wollte.
„So macht’s Pa nachts doch immer,“ sagte Isolde.
*
„Sapperlot noch einmal! Liegt ihr denn alle miteinander auf beiden Ohren?“