Sie empfand, wie er hier heimisch war.

Ein tödlicher Schreck, ein banges Schamgefühl überwältigte sie, als sie an den Schädel daheim dachte. Die süße mystische Liebeswonne, die bräutlich nonnenhafte Seligkeit, wie erschien ihr das alles jetzt! Den Schädel hatte sie geliebkost ja! Die beiden Stirnen hatten dieselbe Form — gewiß. Sie hatte vor ihm wie im Gebet versunken gelegen. Es war ihr so natürlich erschienen. So ein thörichtes Geschöpf wie sie war! —

Henry Mengersen wurde den beiden Mädchen vorgestellt. Er erinnerte sich Isoldens. Sie hatten sich in einer Gesellschaft bei Freyschen Freunden getroffen. Er reichte ihr die Hand und begrüßte sie als alte Bekannte.

Außerdem war ein ältlicher, norddeutscher Baron da, ein jovialer Herr und eine noch junge schlanke Frau mit kleinem Kopf und kräftig voller Gestalt, einem etwas ernsten Kindergesicht, großen Augen, kleiner Nase, hübsch geformtem Mund. Sie schien eine angenehme Person zu sein. Ihr weiches, braunes Haar trug sie in einem nicht geschickt arrangierten Knoten.

Zuguterletzt rekelte sich ein, zweifelsohne, hochmoderner Schriftsteller in seinem Stuhl. Er rekelte sich, weil das seiner Lebensanschauung wahrscheinlich entsprach.

„Grüß Gott, Übermensch!“ sagte er und schüttelte Doktor Frey kollegialisch, aber auf eine etwas schlottrige Weise die Hand.

Ein tadelloser, aber ein wenig zu weiter Salonanzug bedeckte seine gelenke, feingliederige, mit zartem Fett ausgepolsterte Gestalt. Die breite, gestärkte Hemdenbrust stand in weitem Bogen aus der tief ausgeschnittenen Weste heraus. Es war alles nicht so recht niet- und nagelfest an ihm.

Doktor Frey aber schien mit allen, die am Tisch saßen, bekannt und vertraut. Er hatte etwas so leicht-beweglich Mächtiges, wie eine gut geschmierte große Maschine.

Als er sich niedersetzte, sagte er, jovial und wie im Prophetenton, eine seiner Sentenzen: „Wir müssen alle wahr sein, wahr bis zum Äußersten — wahr und lebensfreudig — dann wird die Welt bald ein anderes Gesicht bekommen.“

Jede seiner Bewegungen zeugte davon, daß er sich hier sicher und wohl fühlte, daß er sich seines Werts bewußt, daß er ein berühmter Mann war.