Der Diener öffnete die Thürflügel. Isolden ist dieser Diener merkwürdiger als alles. Er war, kam es ihr vor, da und zugleich nicht da. So wesenlos ist ihr noch nie ein Mensch erschienen. Alles Menschliche hatte er, Gott weiß wo, gelassen.
Auf seinem Gesicht lag die Vornehmheit des Hauses versteinert.
Sie gingen durch ein hohes helles Vorzimmer und schauten nicht recht um sich. Die Thür nach einem andern Raum stand geöffnet. Sie traten ein und befanden sich einer Gesellschaft von verschiedenen Personen gegenüber.
Der Theetisch war gedeckt, Gäste waren um ihn versammelt. Ein leichtes Aroma von Cigaretten und Rosen. Es schienen den beiden Mädchen auf den ersten Blick viel mehr Personen gegenwärtig zu sein, als es in Wirklichkeit waren.
Eine Dame hob sich ein wenig aus ihrem Lehnsessel, beugte sich vor, streckte den Arm aus. Gelblich indische Seide floß faltig schlank an ihr herab. Ein liebenswürdiges Lächeln ging über das schmale, von glatt anliegendem schwarzen Haar eingerahmte Gesicht.
„Wie gut, daß Sie sind gekommen, lieber Dichter,“ sagte die Dame. „Nun, und Ihre jungen Mädchen — wir wollen sehn.“
Sie gab jedem der Mädchen die Hand.
Tiefe schwarze, feuchte Sammtaugen fühlten sie auf sich gerichtet, kühl, vornehm, freundlich.
„Kommen Sie, nehmen Sie Platz, lieber Dichter.“
Isolde sah weltenweit von sich entfernt Henry Mengersen im weißen Flanellanzug.