Sie biegen jetzt in einen vortrefflich gehaltenen Kiesweg ein, der durch dichten Buchenwald eine Anhöhe hinanführt und kommen bald an ein schönes weitgeöffnetes Gitterthor aus kunstvoll geschmiedetem Eisen.
Da fährt der Wagen ein, im großen Bogen um einen köstlichen Rasenplatz, auf dessen saftigem Grün Centifolienrosenbüsche wuchern. Sie stehen jetzt in voller Blüte. Tausende von Rosenblüten, alle dasselbe zarte Rosa, und ein so süßer Duft, daß einem Stadtkinde die Thränen in die Augen kommen konnten. So etwas heimlich Ländliches; paradisisch Zartes liegt in den kunstlos, kunstvoll zerstreuten rosenbedeckten Büschen.
Ein Springbrunnen plätschert in einer stillen grünen Ecke, keine Paradefontaine im Centrum des Cirkels — nein, abseits wie ein verträumter Geigenspieler, der sich selbst zu eigner Lust in einer verlorenen Ecke ein Ständchen bringt.
Den beiden Mädchen schlägt das Herz. Wie eine breite laue Welle süß duftender Vornehmheit geht es über sie hin.
Der Wagen hält vor der Villa, der Diener öffnete den Schlag. Alles, worauf ihr Auge auch fällt, ist wie in einer andern Welt, alles sagt ihnen etwas von einem geheimnisvollen Leben, das sie nicht kennen.
Ihr Vater hilft ihnen aus dem Wagen — ja, war denn das ihr Vater? Er hat einen Ausdruck, den sie an ihm nicht für möglich gehalten hätten, so gentlemanlike, eine so ritterliche Bewegung des Arms, die ihnen gilt! Sie wurden unbeschreiblich verlegen.
Der Diener führte sie eine breite, steinerne Treppe hinan. Vorsaal und Treppenhaus ganz in Weiß und Gold gehalten.
Eine große Schale vor einem hohen Spiegel mit Centifolien und Reseda, die den Raum mit ihrem Sommerduft erfüllen.
Marie und Isolde wünschten sich weit fort.
Es war ihnen die Atmosphäre so kühl, als schlüge im Hause kein Herz!