Vom See kam eine feuchtweiche Luft. Das Mondlicht durchfloß die zarten Gewänder der Mädchen, löste sie wie zu einem leichten, weißlichen Nebel auf. Isolde segnete ihre Mutter für diese Kleider.
Mrs. Wendland wurde von Doktor Frey geführt. Er führte sie so vorsichtig wie ein höheres Wesen, von dem er befürchtete, daß die bloße Berührung mit dem Erdboden es beschädigen könnte. An jedem Schritt, jeder Bewegung sah man, daß er vor urwüchsiger, ganz naiver Wonne und Befriedigung nicht ein und aus wußte.
Marie sah im Geist daheim die Mutter sitzen, wie sie mit ihrem Bengel die Schularbeiten machte, und Marie erschrak, wenn sie daran dachte, daß auf die Mutter auch nur ein Tropfen jener Zartheit, Besorglichkeit fallen könnte, mit der der Vater Mrs. Wendland umgab.
Wie würde der Mutter bei so etwas wohl zu Mute sein?
Würde sie darüber lachen oder weinen?
Marie konnte sich das gar nicht vorstellen. Vor ihrem Vater aber fürchtete sie sich, als wäre er sein eigenes Gespenst. Sie mochte gar nicht hinsehn.
Sie schämte sich.
Wer war nun der Rechte, der zu Hause oder der hier?
Gern wäre sie der Mutter um den Hals gefallen und hätte bitterlich um das geweint, um das, was sie lang und unklar empfand.
Sie gingen jetzt durch hohen Buchenwald. Der Mondschein flimmerte durch die dichten Zweige. Der Weg führte sanft abwärts.