Sie waren auch alle ganz schön im Sommerzauber drin. Ein jeder spann und sann. Wenigstens gingen sie ziemlich schweigsam durch diese laue, flimmernde Nacht.
Henry Mengersens Atelier lag unten am See. Er hatte sich schon seit Jahren ein kleines Landhaus hier gemietet, das er in den Sommermonaten bewohnte. Das Atelier groß und kahl; die kleinen Abteilungen des Riesenfensters standen zum Teil offen. Das Mondlicht strömte herein. Es lag etwas Kühles, Klares in diesem Raum, als Henry Mengersen die Schraube zum elektrischen Licht aufgedreht hatte und alles bis in den letzten Winkel bestrahlt war.
Hier empfand man nichts Weiches, nichts Ungeordnetes, nichts Beengendes, eine peinliche Ordnung und Sauberkeit.
Wem die Augen über Henry Mengersens Toilette noch nicht aufgegangen waren, dem gingen sie hier auf. Sie war von jener vornehmen, absoluten, eleganten Reinheit und Neuheit, die ein Deutscher schwer erreicht.
Auch Henry Mengersen war Mischling. Seine Mutter stammte aus einer schwedischen Familie.
Die Art, sich zu kleiden, hob ihn über das Gewöhnliche, erleichterte ihm vieles im Verkehr mit den Menschen, wirkte auf gewisse Naturen immer verblüffend, ließ ihn über der Situation stehen und zwar, ohne daß er sich irgendwie dabei hätte anstrengen müssen. Was ein armer tapferer Kerl mit schlecht sitzendem Rock und mit an den Knien ausgearbeiteten Beinkleidern mit Aufbietung aller Kräfte und allen Mutes nicht erreichte, das fiel ihm zu. — Er gebrauchte, um das alles zu erreichen, nur etwas mehr Zeit zu seiner Toilette. Für Frauen war er unwiderstehlich.
Diese jungen, naiven, deutschen Frauen — wie ennuyierten sie ihn seit Jahren schon!
Er verkehrte jetzt allerdings meist nur mit Ausländerinnen, oder wenigstens mit deutschen Damen aus den höchsten Kreisen.
Das war zu ertragen. Eine Frau, wie Mrs. Wendland, schien ihm wirklich erträglich, und auch ein Haus, wie Mrs. Wendland es führte — die ganze Art von Mrs. Wendland stieß ihn nicht ab, trotzdem sie ihre großen Schwächen hatte.
Man konnte mit ihr reden und leben, ohne jemals von Naivitäten belästigt zu werden. —