Sie hatte recht, ein Raubtierkopf, so schön er war. Die Augen hatten etwas Packendes, Zugreifendes. Um den Mund lag ein rätselhafter, urweltlicher Zug: „Das Tier.“
Hier war es geprägt, das Halbtier Weib.
„O, Henry Mengersen,“ sagte Mrs. Wendland ruhig, „weil ich bin ganz offen, offen, wie Sie sonst niemanden kennen, weil ich nichts verstecke, nichts Böses und nichts Gutes, machen Sie ein Rätseltier aus mich. — Sonderbar!“
Da lächelte Henry Mengersen überlegen wie ein Richter, vor dem sich einer so eben selbst überführt hat.
„O, ich verstehe,“ sagte Mrs. Wendland gleichgültig, „so meine ich nicht. Meine Offenheit ist nicht die Offenheit von ein Tier. Sie irren. Halten Sie mich für naiv? Dann verzeihen Sie, ich muß lachen. Sie verstehen doch, was ein Kunstwerk ist? Raubtiere sind wir alle. Aber Sie meinen damit nicht das: Ich weiß, ich bin Herrn Mengersen ein Dorn, trotzdem er sehr liebenswürdig zu mir ist, weil ich ein wirklicher Mensch bin, lebe wie er lebt und bin so klug wie er ist. Wenn sich Herr Mengersen auch als Raubtier ausmeißelt, bin ich zufrieden.
Ich bestelle mir noch ein Raubtier, es müssen zwei sein.
Und Henry Mengersen ist kein schlechtes Raubtier.“
„Eine sehr selbstbewußte Dame, die gute Mrs. Wendland!“
Der moderne Schriftsteller wendete sich flüsternd an Doktor Frey.
Sie gingen mit einander im weiten Atelierraum auf und nieder.