Herr Goldschmitt, der moderne Schriftsteller, machte sich an das schöne blonde Mädchen, an Isoldens Schwester heran und unterhielt sich mit ihr einigermaßen von oben herab; aber durchaus angenehm berührt. „Jung, rosig, blond, sanft und diese weiche, hilflose Stimme — köstlich!“
Er fühlte sich wie eingelullt von ihrer ausgeprägten, gesunden, molligen Weiblichkeit.
Sie hatte aber trotzdem etwas Träumerisches, Verschlossenes, Kühles.
‚Etwas hartmäulig noch‘, dachte der Schriftsteller in seiner Pferdesprache, die er mit Vorliebe bei Beurteilung von Frauen anzuwenden liebte.
Übrigens wußte er weder von Frauen, noch von Pferden etwas Nennenswertes.
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Isolde aber stand im Bann von Henry Mengersens großer Begabung. Sie sog das, was sie sah, in ihre Seele ein. In seiner nächsten Nähe schlug ein kristallreines Herz zum Zerspringen vor Seligkeit und Anbetung.
Die junge Nonne lag wieder in Verzückung vor der schönen Erscheinung seiner Kunst.
Wie Gottes Sohn empfand sie ihn.
Und ob er schön und elegant, oder häßlich und verschabt war, was ging das sie an.