Mrs. Wendland schaute gelassen auf ihn hin. Sie trug, wie stets, wenn sie ihr weißes Hauskleid abgelegt hatte, eine schwarze Toilette und machte einen äußerst vornehmen, in sich zusammengefaßten Eindruck.

Das Porträt, das ihr guter Freund, ohne ihr Wissen, von ihr vollendet hatte, mochte sie seltsam berührt und verletzt haben.

Sie hatte sich ihm offen gegeben. Sie hatte ihm den Genuß geboten, das Weib auf seiner höchsten Stufe, wie sie meinte, das hochentwickelte Weib, ganz kennen zu lernen.

Sie war rückhaltlos zu ihm gewesen, vollkommen wahr, im Vertrauen, wie es ein großer freier Mensch zum andern hat — und er hatte das Tier in ihr erkannt — nur das Tier — das brutale Tier.

Sie hatte im Verkehr mit ihm über das „Tier“ Mengersen hinweggesehn und hatte in ihm den Gott gehätschelt, angebetet und geliebt.

Mit ihrer heitern Weisheit und Welterfahrung hatte sie ihm etwas schenken wollen — und er? —

„Man ist einsam, ungeheuer einsam!“ sagte sie wehmütig.

Doktor Frey wußte nicht, auf was sich dieser Ausspruch beziehen mochte und blickte etwas verblüfft auf sie.

„Bitte, fahren Sie fort,“ sagte Mrs. Wendland leicht lächelnd. Der berühmte Schriftsteller mochte ihr irgend etwas vorgetragen haben, was sie überhört hatte.

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