„Du weißt ja, ich kann nicht von ihm fort sein.“
Die junge Frau schien erregt und bedrückt.
„Wenn ich du wär, ich würde auch nicht einen Schritt von ihm gehn. Wenn man so etwas hat in seinem Leben wie du gefunden, muß man es halten mit den Armen, den Händen, den Zähnen. Weißt du Lu, ich möchte mit deinem Mann in ein Kloster gehn.“
„Das ist ja lieb von dir,“ meinte Frau Lu lachend.
„Nein, im Ernst. Es würde eine wunderschöne Zeit, auch für ihn. Bei ihm fühlt man sich nicht degradiert, wie bei die andern Männer, kann mit ihm verkehren wie mit Gott Vater, so ganz sans gêne.“
„Ja, wahrhaftig,“ sagte Frau Lu, „das ist ja auch so. Weißt du, es ist, als wenn ein guter, großer Geist neben mir herginge, in meinem Haus wohnte und mich liebte. Wenn du wüßtest, wie gut er ist, wie reich unser Leben ist. Wie schön es bei uns ist!“
„Und“, sagte Mrs. Wendland lächelnd, „wie ich mirs verderbe.“
„Ja, ja — aber wenn du an meiner Stelle wärst.“
„Ich? Nun, wenn ich mich in deinen Mann verliebte, würde er es besser haben als bei dir. Glaubst du, ich würde ihn mit meiner Angst um ihn, immer wie mit Salz die Nerven bestreuen? Wie du? Bei mir könnte er alles thun, was ihm beliebt, krank sein, gesund sein, arbeiten, auch ruhig sterben, wenn es sein soll. In nichts redete ich ihm drein.“
„Du bist kostbar,“ lachte Frau Lu leicht.