„Und ich habe das Interesse für diese Alltagsmänner ganz verloren. Mögen sie nun ein Genie sein wie Henry oder nicht. In sich, in ihrem Charakter sind sie so schlecht gezogen, so nicht fertig geworden. Für uns Frauen ist es immer eine Kränkung, gleich, ob sie sind brennend zu uns oder kalt.
Wir haben immer das Brutale. Sie sind alle wie die ganz reichen Leute, die den Armen zu Weihnachten bescheren. Sie selbst gehen in Kleidern von Worth, wo ist jede Naht ein Kunstwerk. Für ihre Mitmenschen aber lassen sie aus grobem häßlichen Stoff Röcke nähen von plumper Façon ohne Sinn und Verstand.
Sie geben so für das allergröbste Bedürfnis der Natur — und damit basta.
Und dieser schreckliche Jüngling, dieser Herr Goldschmitt! Statt eine Seele oder ein Herz hat er ein kleines Ferkel in sich, glaub ich.“
*
Inzwischen ging Isolde an Mengersens Arm zaghaft und in höchster Erregung. Sie wollte etwas sagen und fand kein Wort.
Er schwieg auch, um zu sehen, was die Kleine vor hätte. Ihm schwante etwas, schon bei der ersten Bekanntschaft mit ihr.
„Sie sind so glücklich,“ sagte Isolde nach langem leidenschaftlichem Kampf mit sich selbst.
„So? Bin ich? — Und weshalb mein Fräulein?“
Das klang banal, so gar nicht als sagte es Henry Mengersen. Aber das war ja kindisch von ihr, zu erwarten, daß er wie ein Gott sprechen würde.