Er ließ sich den Apotheker ungestraft in aller Frechheit vor den Augen herumzappeln, ließ sich von ihm höhnen und besingen und rührte sich nicht. Er ließ sich alles gefallen und machte den liebenswürdigen Wirt und ließ sich eben gar nichts davon merken, daß unter dem Flausrock nachgerade ein Hexenkessel braute.
Wie ein Verzweifelter dachte und dachte er: Wie werde ich sie nur wieder los, die Bestien? Und war ganz bereit, dazu Pläne zu schmieden – aber – aber –
Es war nun einmal geschehen, und die vielen Frauenzimmer, denen er zu Hause davongelaufen war, deretwegen einzig und allein, um ihnen entwischen zu können, er sich diesen Garten gekauft hatte, die würden nun tagtäglich, wenn es ihnen paßte, hereingequollen kommen. – Und diese unaufhaltsamen Thees und Damenkaffees, die Spielchen ohne Ende – denn was war natürlicher, als daß sie hier ihre Whistpartieen abhalten würden?
Was sah er nicht alles kommen!
Aber das sollte denn doch nicht alles ohne weiteres geschehen! Der Rat verlegte sich aufs Grübeln. Das Grübeln, das war ja sein eigenstes Element. Was hatte er an langen Winterabenden bei seinem Leuchter mit dem grünen Schirm nicht alles schon ertüftelt und ergrübelt!
Und jetzt! Das waren denn doch andre Dinge, diese wissenschaftlichen. Wer das kann, der wird doch auch ein paar Frauenzimmer loswerden können.
Während die Bratwürste brieten, spazierte er in seinem Garten im Dunklen umher und sah im Geiste Dinge, die ihm die Galle überlaufen ließen.
Seine Frau würde sich einen Schlüssel machen lassen, das wußte er im voraus, und der Kathrine auch einen; die Kathrine würde dann im Garten zu putzen und zu wirtschaften anfangen wie in ihrer Küche, unter den Büschen rascheln und kehren, das Sommerhäuschen scheuern und putzen und auf alle Weise Ordnung schaffen. Das erboste ihn. Und er erlebte im Geiste gallig weiter, wie sein alter Garten Feste auf Feste feierte, ein Kirschenfest, ein Beerenfest, Bratwurstfeste in schwerer Menge, auch ein Perlzwiebelfest – natürlich. Da sah er schon die ganze Gesellschaft um das lange, schmale Perlzwiebelbeet herumliegen und die Zwiebelchen aus dem Erdreich herausklauben; damit wollten sie ihm jedenfalls einen Gefallen thun, die Unsinnigen – wie ihn das schon im voraus zur Wut reizte! Und seine Phantasie malte ihm weiter aus, wie Kathrine während der Arbeit allen Kuchen präsentierte, und wie dem mit einem vorsündflutlichen Appetit zugesprochen wurde.
Sein arg erboster Geist sah in wilden Vorstellungen alle Frauenzimmer auf den Knieen liegen, in der Erde wühlen und in große Flocken Mohnkuchen beißen, die Kummerfelden in ihrem geblümten Kleid und die Muskulus mit der großen Perücke, welche die Fabianen einen Fußsack nannte; über der Perücke hatte sie zum Ueberfluß noch den ewigen Veilchenhut auf. Das sah der Herr Rat in seiner Wut alles unheimlich genau vor sich.