»Ich verbitte mir das, ich verbitte mir das!« Das rang sich ihr mühselig aus der Brust. »Mich hat eine Katze erschreckt!«
»Aber so zu springen! – Ich habe Sie ja gesehen.« Der Apotheker bekräftigte ganz gewaltig, daß er sie gesehen, und stützte die beiden fetten Händchen auf die runden Beine.
»Nun, dann hat Er mich eben gesehen!« antwortete sie ärgerlich und nach Luft schnappend.
Jetzt kam die Rätin dazu, und die Kummerfelden legte die Hände ihr auf die Schulter und schaute sie an mit einem Paar so großer, mitleidvoller Augen, wie man die Frau möglicherweise in der Sterbestunde ihres Mannes ansehen würde.
Die Kummerfelden that es so ausdrucksvoll, denn ihr Mienenspiel war durch ihre schauspielerische Laufbahn gelenkiger geworden als andern Leuten ihres.
»Na, Kummerfelden, was haben Sie denn?« sagte die Rätin ganz betroffen.
Mittlerweile aber wanderte der Herr Rat wieder mit einem weiblichen Wesen im Garten auf und nieder, und wieder kamen sie in die Nähe des Mühlbachs, in die tiefste Dunkelheit hinein, und wieder packte der Rat sein Opfer. Aber diesmal hatte er sich schon mehr gefaßt als bei der Kummerfelden, da war er nicht Herr seiner Bewegungen gewesen, hatte eine unsinnige Angst angestanden, so daß die doch gewiß erfahrene Kummerfelden über das, was sich zwischen ihr und dem Rat abgespielt hatte, im unklaren geblieben war. Diesmal war kein Zweifel. Er hatte die kleine Mamsell Muskulus regelrecht auf den Mund geküßt, war aber statt auf den Mund in den Mund geraten, denn sie hatte ihn vor Schreck weit aufgesperrt.
Er aber korrigierte eifrig diesen Zwischenfall und küßte sie ein paarmal tüchtig auf die Wangen, so daß ein Zweifel gar nicht mehr aufkommen konnte.
»Ach, Herr Rat – ach, Herr Rat –« lispelte die kleine Mamsell verschämt, und der Herr Rat fühlte einen Augenblick ihren Kopf und die große weiche Perücke an seiner Brust ruhen. Die kleine Mamsell war ganz überwältigt, fühlte vorderhand gar nichts weiter, als daß sie geküßt worden war, und dies Gefühl durchströmte sie wie eine neue Lebensquelle.