»Was ist denn nur, was haben denn die?« sagte der Apotheker ganz verblüfft zur Rätin.
Die junge, bescheidene Frau Egidi saß da, als hätten ihr die Hühner das Brot gefressen. Wie schon gesagt, mit allen war es mit einem Male nicht richtig. Es lag eine drückende, schwüle Stimmung über der ganzen, sonst nach vollbrachter Mahlzeit so überaus heiteren Lawine, und auf die Rätin fielen manchmal unerklärliche Blicke, so etwa, als hätten in einem Kaufmannshaus die Gäste früher von dem Bankerott des Mannes erfahren als die Hausfrau und betrachteten sie sich daraufhin.
Der armen Rätin wurde es wirklich ganz bänglich zu Mute – und wo steckte denn nur ihr Mann –?
»Aber Gustävchen!« rief sie in die Dunkelheit hinein, als es ihr immer unheimlicher wurde unter ihren Gästen. Und als der Rat endlich kam, da war der Höhepunkt der unerklärlichen peinlichen Stimmung erreicht, da erhoben sich die Schopenhauers, Mutter und Tochter, und verabschiedeten sich eisig und gingen, von dem Sohn begleitet, als wendeten sie gefallenen und verkommenen Menschen den Rücken, und mit Schopenhauers brachen alle plötzlich auf – und fort waren sie. Apothekers gingen auch mit, denn eins zieht nun einmal das andre nach sich.
Und im dunklen Garten befanden sich alsbald nur noch der Rat, die ganz verblüffte Rätin, Kathrine und die Waschfrau.
So aber blieb es nicht nur an diesem Abend und nicht nur im Garten. Der Rat, die Rätin und Kathrine lebten mit einem Mal im Haus am Markt wie auf einer einsamen Insel; keine Katze kam zu ihnen, denn die Weimaraner Damen waren, wie der Rat richtig berechnet hatte, sehr tugendhaft. Die Rätin und Kathrine wurden ganz tiefsinnig vor Grübeln. Der Rat aber ging jetzt unbehelligt in seinen Garten und wirtschaftete dort wieder im Flausrock. Den ersten und zweiten Tag kümmerte es ihn wenig, daß er bemerkte, wie ein paar Bekannte ihm ganz augenscheinlich aus dem Weg gingen.
Er wurde vom Hochgefühl getragen, wie es eine gelungene wissenschaftliche Arbeit ihm sonst einflößte. Diesmal aber hatte er auch auf einer Seite, wo er sonst immer Niederlagen erlitt, Triumphe gefeiert, und außerdem sah und hörte er nichts weiter.
Im Garten harkte er über die tiefen Fußspuren, die die Kummerfelden in seine Beete gedrückt hatte, warf die zertretenen Salatköpfe auf den Komposthaufen und ordnete alles, was seine gute Idee angerichtet hatte.