Ich begegne auch Leuten, die mir ganz besonders nahe bekannt sind, mit deren Schicksal ich mich mehr, als es gut ist, beschäftigte.
Man soll aber vor der eignen Thür kehren und andre Leute ungeschoren lassen.
Aber die Menschen sind ein thörichtes Geschlecht! Als ob die Welt nicht Mühsal, Schrecken, Tod, Verzweiflung und Unsinn, Krankheit, Thorheit, Lug und Trug, Lachen, Weinen, Spott, Härte, Freud und Leid, Liebe und Haß, solch alles im Uebermaß brächte! Nein, die Menschen finden es nicht genug!
Da sind welche, die, wie vom bösen Geist getrieben, glauben, es sei unumgänglich notwendig, es sei ein Verdienst, wenn sie sich zu den unzähligen Geschöpfen, die leibhaftig auf Erden sinnverwirrend durcheinander wimmeln, noch welche hinzuträumen, hinzuklügeln.
Das, was Haut und Knochen hat, tagtäglich in Massen zu Grunde geht, stirbt, neu entsteht im ewigen Wechsel, das genügt ihnen nicht; sie schaffen mit Mühe, Begeisterung, Qual und Glück, mit ihrem Herzblut Hirngespinste und sind entzückt, wenn diese den Gestalten gleichen, die sie zu sehen gewohnt sind, und freuen sich ihrer eigenen Käuze, die sie selbst geschaffen, ganz unbändig; sie erscheinen ihnen als außerordentlich wichtige Personen.
Wer diese ihre Käuze lobt, den halten sie für einen vernünftigen, weitherzigen Menschen.
Sie schaffen ihren Käuzen Schicksale, Ereignisse, lassen sie leiden, beglücken sie, und wehe dem, der findet, daß sie dies nicht gerecht, sachgemäß und vernünftig betreiben oder gar vergessen haben, über ihre Käuze ein vollgerüttelt Maß zeitgemäßer Moral auszuschütten.
Wie ernst und eifrig wird dies Spiel betrieben – tödlich ernst – das ganze Glück der wunderlichen Schöpfer hängt an dieser großen Thorheit.
Geraten die Käuze nicht, finden sie kein Gefallen, so ist der Urheber dieser Käuze ein gelieferter Mann, verachtet, gebrochen, – und wenn es noch so ein gesunder, guter, braver Bursche wäre, mit tüchtigen Zähnen und Armen.
Es ist eine Art Verrücktheit, »holder Wahnsinn« – aber was auf Erden ist nicht Wahn? Was auf der Welt thun wir, wobei uns nicht die Sinne umnebelt und verwirrt sind von Vorurteilen, Gewohnheiten, Ueberkommenem?