Meine liebe Mutter hatte diese Laterne und die Kerzen, die sie immer erneuerte, mir geschenkt.
Sie wußte, daß ihre Tochter ein großer Furchthase war. Ich hatte es ihr vertraut, daß die Dunkelheit mir das Schrecklichste auf der Welt sei. Da hat sie mich ausgelacht; aber tags darauf hatte ich mein Laternchen.
So kam ich funkelnd wie ein Glühwurm zur Unterrichtsstunde.
Mein Herr Bräunlich war schlecht aufgelegt, und am Ende der Stunde sagte er mit einem Mal feierlich zu mir gewendet: »Für deine jahrelange Faulheit und Unaufmerksamkeit muß einmal eine Strafe kommen. Du gehst heute abend mit mir und bleibst, bis ich dich nach Hause bringe. – Während der Zeit schreibst du an mich, wie auch an deinen Vater einen Zettel, auf dem du versprichst, dich zu bessern.« Das traf mich wieder wie ein Donnerschlag bis ins innerste Herz; aber ich verhielt mich vollkommen ruhig. Ich wollte den Mädchen nicht die Freude machen, daß sie mich unglücklich sähen.
Als wir beide, Herr Bräunlich und ich, uns auf den Weg machten, blieben die andern zurück. Ich zündete stumpf und verzweifelt mein Laternchen an.
Da hörte ich die Mädchen lachen und trat mit dem Fuß auf und murmelte: »Diese Dummhüte.«
»Was hast du denn?« sagte Herr Bräunlich.
»Die da drinnen lachen mich aus!« sagte ich.
»Nein, das thun sie nicht,« antwortete er, »es sind ganz gute Mädchen.«
»Die sind nicht gut,« sagte ich. »Ich weiß, daß sie mich auslachen!«