»Gut,« rief er ungeduldig; »aber mach, daß du nach Hause kommst.«
Wer war glückseliger als ich! Mein Herz schlug leicht und zufrieden, es hatte sich alles vortrefflich gemacht, und ich ging stolz im Gefühl meines Sieges durch die Straßen.
Bei Gelegenheit frug mich der alte Preller, wie die Strafe abgelaufen sei, und ich erzählte ihm alles wahrheitsgetreu; da sagte er mir, daß ich es nicht übel gemacht habe. »Es ist immer gut,« meinte er, »wenn man sich zu helfen weiß.«
Auch Herr Bräunlich und ich, wir blieben gute Freunde.
Aber wie schon gesagt, Herr Bräunlich tauchte unter, ein andrer auf.
Von der ersten Stunde an wurde dieser »Neue«, der ganz unzweifelhaft ein vortrefflicher Lehrer war, mein Feind und wurde von mir gründlich und andauernd gehaßt. Er mochte in seiner Ehre gekränkt sein, daß man ihm, dem ausgezeichneten Manne, zugemutet, ein so dummes Mädchen wie mich zu unterrichten, und behandelte mich danach.
Jedes Wort, das er an mich verschwendete, war Mißachtung und Spott. Tiefer und tiefer sank ich in den Augen meiner Mitschülerinnen und erschien mir selbst wie ausgestoßen aus der menschlichen Gesellschaft. Mir fiel in einer der ersten Stunden das Wort »glimpflich« auf, und ich erkundigte mich nach dessen Bedeutung, da fuhr der Neue, der ein behender Mensch war und seine Glieder zu schleudern verstand, auf mich ein und schrie: »Bisher hat man glimpflich mit Ihnen verkehrt – das hat aber jetzt bei mir ein Ende« – und es war zu Ende.
Ich lebte geängstigt und wahrhaft gehetzt; kam ich zum Unterricht, so hatte ich die Empfindung, als befände ich mich die Zeit über vor der Mündung einer geladenen Kanone, die jeden Augenblick losgehen konnte.
Jedes Geschöpf des Tierreichs, das mir auf meinem Weg zu dem gefürchteten Meister begegnete, sah ich mit neidischen Augen an. Die Verantwortung, Mensch zu sein, war mir sehr drückend. – Wie gern hätte ich mit so einem munteren Pferdchen getauscht, oder mit einem lustigen Hunde oder mit jeder Katze.
Wenn ich ins Haus eintrat, legte ich einen kleinen Stein in einen Winkel mit dem Gelöbnis: komme ich leidlich mit heiler Haut wieder heraus, so will ich dankbar den Stein mit mir nehmen und zum Angedenken aufbewahren. Doch legte ich mir eine ganz gewaltige Steinsammlung an, denn es mochte gewesen sein, wie es wollte, ich nahm den Stein aus Dankbarkeit, daß die Sache überhaupt zu Ende gegangen war, jedesmal mit mir.