So nahm ich nicht zu an Weisheit und Verstand, an Gnade bei Gott und den Menschen, sondern sank tiefer und tiefer in der Achtung aller derer, die über meine glänzenden Erfolge unterrichtet waren.

Das Unglück hatte es einmal gewollt, daß ich in der Angst und Verwirrung, in der ich mich vor dem Unterricht gewöhnlich befand, meinen ganzen Haufen trauriger Hefte bei einer unserm Haus befreundeten Familie hatte liegen lassen. Mit welchem Schreck bemerkte ich dies! Die Hefte, meine greulichen Hefte! – Wie mich das durchfuhr!

Wenn man nun einen Blick hineinthut! Und sie werden es thun. Das war mir ganz sicher.

Mit welchem Bangen machte ich mich auf den Weg, sie mir wieder zu holen, wie langsam schlich ich die Treppe hinauf, wie zaghaft zog ich die Schelle! – Und was stand mir bevor!

Sie hatten mich kommen sehen und öffneten mir selbst die Thüre, eine ganze Schar mir sehr würdig erscheinender Damen, Gott weiß, wer noch dabei war. Sie ließen mich nicht herein, sondern öffneten nur halb und reichten mir mit der Feuerzange meine Hefte einzeln heraus und riefen: »Bessere dich! Bessere dich!« und lachten, und die Hinteren stellten sich auf die Zehen, um über die Vorderen hinweg mich sehen und mir gute Lehren geben zu können. Ich war wie vernichtet, wütend zum Zerspringen; aber ich nahm die einzelnen Hefte von der Feuerzange ab, stumm und im Herzen zerrissen; schmachvoll erschien mir's, daß ich sie nahm. Als die Sache zu lange dauerte, riß mir die Geduld, und ich lief davon, und meine Peiniger kehrten mir mit dem Besen die übrigen Herrlichkeiten die Treppe hinab nach. Sie ahnten wohl nicht, was sie mir anthaten – fast sinnlos vor Verzweiflung, Wut und Schande, sammelte ich meine Habseligkeit ganz außer mir auf und lief bleich mit verweinten Augen nach Hause, zählte mein Geld nach, um mir neue Hefte zu kaufen und die alten zu verbrennen. Es reichte nicht; aber ich verbrannte sie dennoch.

In dieser Zeit kam es, daß der Gestrenge uns einen Aufsatz gab: Die Vorzüge des Menschen vor dem Tiere.

Dabei schien mir wenig Witz zu sein – und ich beschloß, das Gegenteil zu behandeln: die Vorzüge des Tieres vor dem Menschen. Das leuchtete mir weit mehr ein, und was hatte ich zu verlieren, ein Donnerwetter mehr oder weniger, darauf kam es mir nicht an.

Ich setzte mich daran und ließ mein Licht leuchten, machte meinem Herzen Luft und schrieb wahrhaft glückselig, stand vor lauter Wonne auf einem Bein während des Schreibens, pfiff und war der besten Dinge.

Noch nie hatte ich so viel in meinem Leben geschrieben, es kam mir immer Neues in die Finger. So war das Arbeiten ein Vergnügen. Ja, wenn es sich immer um Dinge handelte, bei denen man mit Leib und Seele dabei sein könnte! Aber dies langweilige Getreibe von Zahlen und Namen, Regeln und Ausnahmen, mit denen man Herz und Hirn beschweren mußte, da konnte man nicht verlangen, daß ein vernünftiges Geschöpf sich daran mitbeteiligen sollte!