Ich gab meinen feurig verfaßten Aufsatz ab mit aller Gemütsruhe und erhielt ihn zu seiner Zeit mit stummer Verachtung von dem Gestrengen zurück. Er durchbohrte mich mit majestätischen Blicken – sagte mir, daß sich derjenige, welcher diesen Aufsatz verfaßt habe, einen übeln Spaß mit mir erlaubt habe. Ich hätte beim Abschreiben nicht einmal bemerkt, daß das gestellte Thema verändert wurde – übrigens sei dieser Aufsatz vortrefflich, und er hätte ihn in seiner Ersten Klasse vorgelesen, habe dabei aber bemerkt, daß dies ein Aufsatz sei, den eine ungeschickte und faule Schülerin sich von fremder Hand habe arbeiten lassen, um damit einen Betrug auszuführen.

Ich erwiderte ruhig, daß diese Arbeit von mir sei, bekam aber wieder einen majestätisch verächtlichen Blick, der mir Schweigen gebot.

Und ich schwieg – ich war zufrieden, stolz und beglückt; was der Gestrenge von mir dachte, war mir vollkommen gleichgültig, er hatte sich bei mir durch Poltern und Ungerechtigkeit die Achtung verscherzt. Es kamen jetzt öfters Aufsätze, unter denen in Schriftzügen zu lesen war: Gut, aber nicht selbst verfaßt.

Alles Uebel aber hat sein Ende, so auch hier. –

Ich sollte konfirmiert werden, und da meine guten Eltern wohl meinten, daß mir ein religiöser Halt im Leben wohlthäte, sollte diese Zeit der Konfirmation mir besonders zu Herzen gehen.

Ich kam für den Sommer zu einem Pfarrer und Dichter.

Nachdem die mächtige Sehnsucht nach meinem reizenden Elternhaus und all der Wärme, Liebe und Güte, dem wundervoll »Heimischen« erträglich überwunden war, fand ich mich in einer wahrhaft beglückenden Umgebung. Alle waren unbeschreiblich gut mit mir. Die Frau Pastorin verwöhnte mich; sie war eine eigenartige, wie mir später bewußt wurde, eine Jean Paulsche Gestalt, zart im Empfinden, dem Uebersinnlichen zugeneigt, dem Humor zugänglich, lebhaft und schön.

Der Pfarrer war die Güte selbst, lebensprühend, dabei markig, kräftig und heiter.

Im Haushalt ging es frei und ländlich zu.