Der Vater war allein auf die Post gegangen, um sein Mädchen zu erwarten.

Er wollte es so.

Sie hatten im Familienzimmer einen feierlichen Kaffeetisch gedeckt, und ein Riesennapfkuchen stand mitten unter den Tassen, wie ein Berg.

Die Brüder waren da, die Mutter und die Mädchen.

Röse und Marie wollten zum Fenster hinausschauen, aber die Mutter verbot es ihnen.

»Das mag er nicht, das wißt ihr ja!«

Es war Oktober, ein sonniger Oktober mit bunten Bäumen, die sich ihrer Farben, ungestört von Regen und Nebel, freuen konnten.

In Weimar gehört so ein trockener, sonniger Oktober zur Seltenheit; gewöhnlich faulen die Blätter an den Bäumen, ehe sie abfallen. Dies Jahr aber war auch ein vortrefflicher Zwetschgenherbst. Die Zweige bogen sich unter der blauen Last, und bei Rat Kirstens auf der Hausflur standen heuer acht große Tragkörbe voll der reifsten Zwetschgen aufmarschiert zum großen Zwetschgenmuskochen, à Mann ein Korb; auch die neue Schwester war schon im Besitz ihres Korbes, und die Magd und Herr und Frau Rat, und jedes der vier Ratskinder.

Uebermorgen sollte großes Zwetschgenspellen sein, und tags darauf das Rühren und Kochen im Waschkessel, von früh morgens bis spät in die Nacht. – Ein Hauptfest, an dem geschwelgt und geschleckt wurde.

In ihrem Erwartungseifer aber hatten sie die Schritte auf der Treppe überhört.