Budang war ihr Meister gewesen und hatte nicht geruht, bis das Ganze tadellos gelang.
Als die Waben beim Gewandanprobieren half, war sie von der Schönheit ihrer Schwester wahrhaft erschreckt. Die jungen, weißen, vollen Glieder, das schneeweiße Gewand, das herrliche Gesichtchen, die lebendigen Augen, die schöngezeichneten Augenbrauen, die ihr so etwas Vornehmes, Geistiges gaben, und das blonde Riesenhaar, das in dicken Locken wie eine Flut über Arme und Hals bis über die Kniee fiel und sich reizend an den rosigen Ohren kräuselte und um die kindliche Stirn. Es war ein so anmutiges Haar!
Röse war zum erstenmal in ihrem Leben nicht mit ihrer Schwester gleich gekleidet; sie stellte ein Zigeunermädchen vor, war aber auch, wie Marie, eingewickelt in ihre bräunliche Haarflut.
Die kleine Waben wurde stolz auf ihre beiden Schwestern.
Und beide sagten immer wieder von neuem: »Ach, Waben, daß du nicht mitkannst! Wie jammerschade!«
In Waben begannen sich zum erstenmal die jungen, lustigen Wünsche zu regen.
Aber sie hatte ja das Köstlichste im Herzen!
Und mit ihrem Schopenhauerschen Freunde sollte sie alle Herrlichkeiten, die es zu sehen geben würde, zusammen genießen! –
Sie fand sich pünktlich auf der Galerie ein, von der aus man in den großen Schloßsaal hinabsehen konnte. Ihr Beschützer war schon da und hatte in der vordersten Reihe, neben sich, ihr einen Platz gegen die andrängenden Neugierigen verteidigt.
Nun hieß es geduldig sein da oben auf der Galerie.