In dem dunklen Saal brannte noch keine einzige von den Hunderten von Wachskerzen, und sie sahen von ihren dämmerig beleuchteten Plätzen in einen schwarzen Abgrund hinab; aber die Waben und ihr Begleiter unterhielten sich vortrefflich miteinander, wie sich das leicht denken läßt. Die Zeit verstrich ihnen beiden im Umsehen.
Die Waben achtete kaum darauf, wie die Lämpchen der Kerzenanzünder gleich Glühwürmern in der großen Dunkelheit auftauchten, und wie die Flammen an den Zündschnürchen, was das Neueste war, von Licht zu Licht hüpften und im Nu die ganzen Kronleuchter im vollen Lichtgefunkel erstrahlen machten, und wie im Laufe von einer Viertelstunde alles glänzte und funkelte, ein ganzes Meer von Licht!
Personen schritten geschäftig hin und her durch den Saal, anordnend oder Umschau haltend.
Um das junge Paar her wurde geflüstert und getuschelt. »Der Oberhofmarschall!« hieß es, – »da, – – da, – – da! Da ging er eben!«
Die Leute waren von diesem Anblick schon erregt. Die Hälse wurden gereckt. – Jeder Lakai wurde angestarrt.
Die Waben plauderte wie noch nie in ihrem Leben. – Sie blühte neben ihrem Anbeter auf wie ein Rosenstock nach langem trüben Regenwetter, wenn ihn ein paar Stunden warme, volle Sonnenstrahlen treffen. Wie offen sie sprach! Ihr ganzes unschuldiges, gleichförmige Leben lag vor ihm ausgebreitet.
Sie wußte nicht, wie rührend sie war, und er wußte das auch nicht. Sie hatte nichts zu geben und mitzuteilen als ihre Vergangenheit, – gar nichts weiter, – und diese Vergangenheit gab sie bebend vor Wonne. – Er fragte, und sie antwortete. Sie vertraute. – Jubelnd empfand sie zum erstenmal, daß sie wirklich lebe.
Er war auch ganz entzückt von seiner kleinen Freundin, dachte besonnen, daß sie eine gute, kommode Frau abgeben würde, und erwog dies hin und her, während sie eifrig schwatzte.
»Aus guter Familie ist sie, – mitbekommen thut sie sicher auch etwas. – Die Kleine ist wohlerzogen, lächerlich unschuldig, ein durchaus bequemer Charakter.«
So dachte er, wie ein junger Mann, der auf Freiersfüßen geht und Ausschau hält, zu jeder Zeit gedacht hat.