Sie sah und hörte alles so genau, als wäre es schon geschehen.

Sie wußte, daß seine Stimme kalt und gleichgültig klingen würde. Sie sah und verstand das alles so tief, so klar, so anders, als sie sonst nie verstand und begriff.

Ja, – und so kam es denn auch, ganz so! –

Sie war nicht überrascht und nicht erschreckt, – aber wie ausgelöscht. Sie fühlte sich selbst nicht mehr. Alles so grau, so fahl, – alles so gleichgültig, – so erstickend, – so weh! – Sie wollte gehen. Sie hatte genug gesehen; aber er redete ihr zu, zu bleiben.

Gerade sprach der Großherzog Karl August mit ihren beiden Schwestern. Er war außerordentlich gnädig und schien an den beiden schönen Mädchen großes Gefallen zu finden. Es waren ja seine guten Freundinnen, und sie sprachen jedenfalls miteinander von früheren Erlebnissen, von ihrem gemeinschaftlichen Frühstück im römischen Hause; von der Schaukelei auf der schmiedeeisernen Thür an der Sternbrücke, von den ungesetzmäßigen Theaterbesuchen, von der lustigen Fahrt in Karl Augusts Kalesche auf dem Vogelschießen, was ich alles ausführlich berichtet habe.

Karl August und die Ratsmädel hatten eben von jeher großes Wohlgefallen aneinander gehabt.

»Serenissimus zeichnet die Fräulein Schwestern ja außerordentlich aus!« sagte der Anbeter der Waben sehr befriedigt und ganz versunken, nur Augen für das wunderschöne Mädchen unten im Saale behaltend.

Das war nun ein trauriges Nachhausegehen.

Waben langte still und matt daheim an. Frau Rat war noch auf und sagte: »Warte, mein armes Bärbelchen, du sollst mir nicht immer Zuschauerin bleiben! Glaube das nicht.«

Die Waben hörte und fühlte nichts, ging zu Bett und schlief wie betäubt ein und wachte auf, als lägen noch immer die schweren Steine auf ihr.