»Ach Marie!« jubelte Röse auf.
Ein süßes Gesichtchen wurde bleich, – ein paar Lippen zitterten wie in namenlosem Weh, und eine zarte Gestalt ging unhörbar zur Thür hinaus, ohne daß jemand darauf geachtet hätte.
Das war von ihm!
Daß er den Abend oft mit Marie getanzt habe, das hatten sie ja schon erzählt. Wie war er denn nur hingekommen? Er hatte es eben möglich gemacht, dachte die Waben dumpf.
Aber der Anblick des blühenden Rosenstockes, – das war es, – das erst hatte ihr schneidend weh gethan!
»Jede Imagination muß ihren Corpus haben,« sagt der alte Paracelsus.
Oben in der Schlafkammer lag das gebrochene Mädchen bei verschlossener Thür auf den Knieen und hielt den Rosenkranz zwischen den zitternden Fingern und hatte sich das Bild der heiligen Jungfrau auf den Stuhl gelehnt und hielt Gottesdienst, einen so schweren, herzbeklommenen Gottesdienst.
Und sie sehnte sich nach Weihrauch und dem tiefen Orgelbrausen in ihrem Schmerzensrausche, nach den Aufzügen der Geistlichen bei der großen Messe; sie sehnte sich nach den prachtvollen Meßgewändern, klangvollen Worten und starken Tönen, nach der großen Herrlichkeit und den gewaltigen Glocken, den hohen Säulen und den anstrebenden Gewölben.
Hätte sie dort jetzt auf den Knieen liegen dürfen! Auf Orgelbrausen und Weihrauchwolken wäre ihr Weh der Mutter Gottes zu Füßen gestürmt. Aber so, in dieser Kahlheit hier, da hob der Schmerz sich nicht zum Himmelsflug, sondern drückte und drückte und wurde wieder zur grauen, schweren Steinplatte, die sie ganz begrub.