Wie nach einer Heimat sehnte sie sich nach ihrer hohen, stillen, dämmerigen Kirche, und sie breitete die Arme aus und schluchzte laut. –
Mittlerweile war dem Rosenstocke der Mann auf Freiersfüßen selbst gefolgt und hatte sich nach dem Befinden der Schwestern erkundigt. Das Befinden war vortrefflich. Sie waren lustig und guter Dinge. Röses Bräutigam erschien auch, und die beiden schönen Paare standen auf ihrer Lebenshöhe, denn auch Marie war ganz entzückt von dem begeisterten, wohlerzogenen jungen Menschen, der sich so plötzlich in sie verliebt hatte, wie in ein Wunder. So gab es in dem Kirstenschen Familienzimmer eine prächtige Harmonie. Schöne Menschen in voller Jugend, die nur von den besten, schönsten Dingen sprachen und dachten und träumten, die Feste beredeten und Ausflüge und allerhand Vergnügungen und Feierlichkeiten, um die herrliche Zeit zu genießen.
Als die Waben hereintrat, begrüßte ihr Schopenhauerscher Freund sie, leicht befangen, als alte Bekannte, – that es aber mit gutem Gewissen, denn das große Liebesfeuer, das jetzt in ihm brannte, hatte das kleine, bedächtige Flämmchen, das für die zarte Waben geglommen hatte, vollständig verschlungen.
Und was er im Schein des bedächtigen Flämmchens gesagt, gethan und geblickt hatte, davon wußte er wohl nichts mehr.
»Ihr kanntet euch schon?« fragte Röse ihre Schwester.
»Ja, von Schopenhauers her,« antwortete sie ruhig.
Und da stieg die Seligkeit im Kirstschen Familienzimmer schon wieder hell empor. –
Und über der Waben schlug es grau und erstickend zusammen, wie dunkles Wasser.
Sie wußte nicht, was sie mit sich selbst anfangen sollte.
Sie liebte ihn so sehr!